Was ist der Unterschied zwischen 30 und 90 Minuten Feuerwiderstand bei Sicherheitsschränken?

Typ 30 vs. Typ 90 nach DIN EN 14470-1 – Klassifizierung, Einsatzbereiche, normative Anforderungen und Entscheidungshilfe für Betreiber

Zusammenfassung

Die DIN EN 14470-1 klassifiziert Sicherheitsschränke für brennbare Flüssigkeiten in drei Feuerwiderstandsklassen: Typ 30, 60 und 90. Die Zahl gibt jeweils die Mindestdauer in Minuten an, die der Schrank einem Brandereignis standhält, bevor die Innentemperatur kritische Werte erreicht. Typ 90 gilt in Deutschland und vielen europäischen Ländern als Stand der Technik und ist nach TRGS 510 für die Lagerung entzündbarer Flüssigkeiten in Arbeitsräumen empfohlen. Typ 30 / Typ 60 sind nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig und erfüllen nicht alle Anforderungen, die an einen eigenständigen Lagerabschnitt gestellt werden. DÜPERTHAL fertigt fast ausschließlich Sicherheitsschränke der Klasse Typ 90 – baumustergeprüft nach DIN EN 14470-1.

Grundlage: Die Klassifizierung nach DIN EN 14470-1

Wie wird die Feuerwiderstandsfähigkeit ermittelt?

Die Feuerwiderstandsfähigkeit wird in einer Brandkammer nach der Einheits-Temperaturzeitkurve gemäß DIN EN 1363-1 bestimmt. Ausgehend von 20 °C ± 5 °C Starttemperatur wird der Schrank mit Flammen beheizt. Die Zeit, bis die Innentemperatur an einem der festgelegten Messpunkte um maximal 180 Kelvin ansteigt, bestimmt die Typklasse. Jedes Schrankmodell und jede Schrankgröße wird einzeln baumustergeprüft.

Welche Typklassen gibt es?

Typklasse Feuerwiderstandsdauer Status in der Praxis
Typ 30 mind. 30 Minuten Eingeschränkt zulässig, unter Auflagen
Typ 60 mind. 60 Minuten Eingeschränkt zulässig, unter Auflagen, selten eingesetzt
Typ 90 mind. 90 Minuten Stand der Technik

Der entscheidende Unterschied im Brandfall

Was passiert in den ersten 30 Minuten eines Brandes?

Der zeitliche Ablauf eines Brandes verdeutlicht, warum 30 Minuten in der Praxis oft nicht ausreichen:

ZeitpunktGeschehen
0 Min.Brandbeginn – Feueralarm wird ausgelöst
5–10 Min.Evakuierung der Belegschaft läuft an
10–15 Min.Feuerwehr trifft am Einsatzort ein
15–30 Min.Brandbekämpfung beginnt – Typ-30-Schrank erreicht kritische Grenzen
ab 30 Min.Typ-30-Schrank verliert Schutzfunktion
90 Min.Typ-90-Schrank schützt zuverlässig bis zu diesem Zeitpunkt

Ein Typ-30-Schrank verliert seine Schutzfunktion genau in dem Zeitfenster, in dem die Feuerwehr aktiv am Brandherd arbeitet. Das erhöht das Risiko einer Kettenreaktion durch freigesetzte brennbare Stoffe erheblich.

Was bedeutet das konkret für Personen und Sachwerte?

Mit Typ 90 haben Beschäftigte ausreichend Zeit zur Evakuierung, die Feuerwehr kann sicher vorgehen und der Brand wird gelöscht, bevor die gelagerten Gefahrstoffe die Situation unkontrollierbar eskalieren lassen. Typ 30 bietet dieses Sicherheitspolster in der Regel nicht.

Rechtliche Anforderungen: Was schreibt die TRGS 510 vor?

Wann ist Typ 90 vorgeschrieben?

Die TRGS 510 definiert Sicherheitsschränke mit einer Feuerwiderstandsfähigkeit von mindestens 90 Minuten als Lagerabschnitt. Nur Typ-90-Schränke gelten damit als eigenständiger Lagerabschnitt, die direkt im Arbeitsraum aufgestellt werden darf. Für die folgenden Stoffe und Situationen ist Typ 90 zwingend:

  • Entzündbare Flüssigkeiten der Kategorie 1 (H224) – ausnahmslos
  • Gefahrstoffe mit Zündtemperaturen unter 200 °C (z.B. Schwefelkohlenstoff, Diethylether)
  • Lagerung als eigenständiger Lagerabschnitt ohne separaten Lagerraum
  • Uneingeschränkte Lagerung entzündbarer Flüssigkeiten in Arbeitsräumen

Wann ist Typ 30 noch zulässig?

Sicherheitsschränke mit weniger als 90 Minuten Feuerwiderstandsfähigkeit, aber mindestens 30 Minuten, dürfen nach TRGS 510 Anhang 1 weiterhin verwendet werden – jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen, z.B. wenn nachgewiesen wird, dass eine gleichwertige Sicherheit erreicht wird. In der Praxis ist dieser Nachweis aufwendig und unsicher. Für Neuinvestitionen empfiehlt sich grundsätzlich Typ 90.

Technischer Vergleich: Typ 30 vs. Typ 90

Kriterium Typ 30 Typ 90
Feuerwiderstandsdauer mind. 30 Minuten mind. 90 Minuten
Normative Basis DIN EN 14470-1 DIN EN 14470-1
Gilt als Lagerabschnitt (TRGS 510) Nein Ja
H224-Stoffe zulässig Nein Ja (mit Lüftung)
Uneingeschränkte Lagerung im Arbeitsraum Eingeschränkt Ja
Prüfung mit 11 Thermometern (geschlossene Kammer) Ja Ja
Brandschutzdichtungen im Türbereich Ja Ja
Automatische Türschließung im Brandfall Ja (max. 20 Sek.) Ja (max. 20 Sek.)
Selbstschließende Lüftungsöffnungen bei 70 °C Ja Ja
Stand der Technik Nein Ja
Anschaffungskosten Geringer Höher
Kosten pro Minute Schutz Höher Geringer

Wirtschaftlichkeitsvergleich

Lohnt sich die Investition in Typ 90?

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den wirtschaftlichen Vorteil von Typ 90:

Typ 30 Typ 90
Beispiel Anschaffungskosten ca. 2.660 € ca. 3.350 €
Geprüfte Schutzzeit 30 Minuten 90 Minuten
Kosten pro Minute Schutz ca. 89 € ca. 37 €

Typ 90 ist pro Minute Schutz deutlich wirtschaftlicher. Hinzu kommen mögliche Senkungen von Versicherungsbeiträgen, die Erfüllung von ISO-9000- und ISO-14001-Anforderungen sowie der Wegfall eines separaten Lagerraums – was erhebliche Investitions- und Betriebskosten spart.

Konstruktive Unterschiede

Wie erreicht ein Typ-90-Schrank seine Feuerwiderstandsfähigkeit?

Die überlegene Schutzwirkung von Typ 90 ist das Ergebnis einer aufwendigeren Konstruktion:

  • Außenkorpus: Pulverbeschichtetes Stahlblech
  • Innenkorpus: Hochwertige Dekorplatten aus nicht brennbarem Material
  • Spezialisolierung: Zwischen Innen- und Außenkorpus verhindert das Eindringen von Hitze
  • Aufschäumende Brandschutzdichtungen: Versiegeln Türfugen und offene Fugen im Brandfall zuverlässig
  • Automatisches Schließsystem: Türen, Schubladen, Zu- und Abluftöffnungen schließen selbstständig
  • Lagerböden: Aus nicht absorbierendem Material, tragen Belastung über die gesamte Branddauer

Typ-30-Schränke haben eine vereinfachte Konstruktion mit geringerer Isolierungsdicke und weniger aufwendigen Dichtungssystemen – was die kürzere Schutzzeit erklärt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Nicht zwingend sofort – aber die Weiterbetreibung eines Typ-30-Schranks muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 400 begründet und dokumentiert werden. Es muss nachgewiesen werden, dass eine gleichwertige Sicherheit zu einem Typ-90-Schrank erreicht wird. Bei H224-Stoffen oder beim Betrieb als Lagerabschnitt ist Typ 30 jedoch nicht ausreichend. Bei Neuanschaffungen empfiehlt DÜPERTHAL stets Typ 90.

Nein. Nur Typ-90-Schränke gelten nach TRGS 510 als eigenständiger Lagerabschnitt und erlauben damit die Lagerung direkt im Arbeitsraum ohne separaten Lagerraum. Ein Typ-30-Schrank erfüllt diese Voraussetzung nicht.

Ja. Beide Typklassen werden nach der gleichen Norm DIN EN 14470-1 in einer geschlossenen Brandkammer nach der Einheits-Temperaturzeitkurve gemäß DIN EN 1363-1 geprüft. Der Unterschied liegt allein in der Zeit, bis die Innentemperatur die Grenze von 180 Kelvin Temperaturanstieg erreicht.

DÜPERTHAL Sicherheitsschränke Typ 90 sind baumustergeprüft durch anerkannte Prüfinstitute (TÜV Süd, iBMB Braunschweig, ift Rosenheim). Zusätzlich tragen sie das High-Quality-Gütesiegel für gehobene Ausführung und erhöhte Lebensdauer, das GS-Zeichen, einige Modelle zusätzlich das FM-APPROVED-Prüfzeichen sowie das UL-Prüfzeichen. Damit sind DÜPERTHAL-Schränke auch für internationale Anforderungen geeignet.

Für H226-Stoffe (Flammpunkt 23–60 °C) ist Typ 30 unter bestimmten Auflagen zulässig. Für H224-Stoffe (extrem entzündbar) ist Typ 30 generell nicht ausreichend – hier ist zwingend ein belüfteter Typ-90-Schrank erforderlich. Für H225-Stoffe ist Typ 30 in eingeschränkten Szenarien möglich, jedoch nicht als Lagerabschnitt anerkannt.

DÜPERTHAL hat sich bewusst auf Typ-90-Schränke konzentriert, da Typ 90 den Stand der Technik darstellt und die einzige Klasse ist, die alle rechtlichen Anforderungen der TRGS 510 uneingeschränkt erfüllt. Der Fokus auf maximale Sicherheit ist ein zentrales Merkmal der DÜPERTHAL Produktphilosophie.

US-Normen nach FM/UL und NFPA 30 erlauben eine maximale Innentemperatur von 163 °C (325 °F) und prüfen in einer offenen Brandkammer mit nur einem Thermometer. DIN EN 14470-1 erlaubt maximal 180 Kelvin Erhöhung der Innentemperatur, prüft in einer geschlossenen Brandkammer mit 11 Thermometern und nach einer strengeren Temperaturzeitkurve. Trotz der nominell höheren erlaubten Innentemperatur ist die DIN-EN-Prüfung erheblich anspruchsvoller – US-Schränke erreichen dabei oft nur eine Schutzwirkung von ca. 10 Minuten.

Expertenperspektive

„Typ 90 ist kein Luxus – es ist der einzige Schutzstandard, der im realen Brandszenario zuverlässig funktioniert. Ein Schrank, der nach 30 Minuten versagt, tut dies unter Umständen genau dann, wenn die Feuerwehr am aktivsten arbeitet. Das ist der Moment, in dem maximale Sicherheit zählt."


— DÜPERTHAL Sicherheitstechnik GmbH & Co. KG, Fachberatung Gefahrstofflagerung

DÜPERTHAL Sicherheitsschränke Typ 90: Produktlinien

ProduktlinieBesonderheitZertifikate
CLASSIC line Flügeltür, Lager- oder Auszugsböden TÜV, GS, FM, UL
PREMIUM line Falttür, platzsparend bei voller Öffnungsbreite, Lager- oder Auszugsböden TÜV, GS
COMFORT line Falttür, pneumatisch per Fußpedal gesteuert TÜV, GS
COMPACT line Flügeltür, Lagerung großer Gebinde TÜV, GS
UTS line Untertischschrank, minimale Stellfläche, automatisch ausfahrende Auszugswanne TÜV, GS
BENCH line Gekühlte Lagerung, ex-geschützt, +3 bis +16 °C TÜV, GS
COOL line Lagerung und Laden von Li-Ion-Batterien, Backdraftschutz Fraunhofer ICT
SUPREME lineDruckgasflaschen, Typ G90, DIN EN 14470-2TÜV, GS

Normen und Regelwerk (Referenzen)

Dokument Inhalt Stand
DIN EN 14470-1 Sicherheitsschränke für brennbare Flüssigkeiten – Klassifizierung Typ 30/60/90 Aktuell
DIN EN 1363-1 (in DIN EN 14470-1 beschrieben) Feuerwiderstandsprüfungen – Allgemeine Anforderungen (Brandkammertest) Aktuell
TRGS 510 Lagerung von Gefahrstoffen – Anforderungen an Sicherheitsschränke, Anhang 1 Februar 2021
TRGS 400 Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen Aktuell
DIN EN 16121 / 16122 Labormöbelnorm – Qualitäts- und Belastungsanforderungen Aktuell
GefStoffV Gefahrstoffverordnung Aktuell

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